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Umfrage zu W?rterbuchnutzung

Ja, Linguist_innen interessieren sich wirklich für alles, was mit Sprache zu tun hat – auch dafür, wie W?rterbücher genutzt werden. Gerade hat das European Network of E-Lexicography eine Umfrage dazu gestartet. Mitmachen kann man ganz einfach über diesen Link. Die Umfrage dauert zwischen zehn und fünfzehn Minuten und da es sich um ein europaweites Projekt handelt, landet man zun?chst auf einer englischen Seite und w?hlt erst im Anschluss die Sprache der Umfrage aus. In der Umfrage selbst geht es dann u.a. darum, wie h?ufig man W?rterbücher verwendet und für welche Zwecke. Wenn Du die W?rterbuchforschung voran bringen willst, mach gerne mit!

Warum interessieren sich Linguist_innen eigentlich so sehr für W?rterbücher? Zun?chst einmal gibt es faszinierend viele Arten von W?rterbüchern. Da ist z.B. das klassische Rechtschreibw?rterbuch, wie wir es alle kennen. Schon weniger bekannt sind vermutlich Fremdw?rterbücher und Synonymw?rterbücher, zudem gibt es? etymologische W?rterbücher und Reimw?rterbücher. Etymologische W?rterbücher geben Auskunft über die Herkunft eines Wortes, Reimw?rterbücher sind zwar alphabetisch sortiert, aber nicht nach dem Anfang, sondern nach dem Endbuchstaben. Dann gibt es noch das W?rterbuch der Zweifelsf?lle, in dem Variationsf?lle des Deutschen erkl?rt werden. Ein W?rterbuch ist also sehr viel mehr als eine Sammlung von W?rtern!

W?rterbücher bilden auch immer eine Schnittstelle zwischen der linguistischen Fachwelt und der Sprach?ffentlichkeit, denn sie werden von Linguist_innen geschrieben, aber das Publikum sind nicht (nur) andere Linguist_innen, sondern natürlich auch Leute, die nicht unbedingt immer alle Wortarten und Satzglieder parat haben. Das ist bei einem klassischen Rechtschreibw?rterbuch nicht so schlimm, kann aber problematisch sein, wenn man wissen will, was denn der Duden zu gewinkt/gewunken sagt. Linguist_innen würden eventuell erwarten, dass gewinkt/gewunken unter dem Stichwort Verbflexion verhandelt wird neben anderen Variationsph?nomenen wie backte/buk. Aber die meisten Nutzer_innen würden vermutlich nicht nach Verbflexion schauen, denn sie interessiert ja winken im Speziellen – also erwarten sie auch einen Eintrag exklusiv für winken. Deshalb ist das W?rterbuch der Zweifelsf?lle vom Duden alphabetisch nach W?rtern? geordnet, obwohl es sich darin meist um grammatische Variationsf?lle handelt, die man z.T. auch zusammenfassen k?nnte.

Trotz der Eintr?ge nach W?rtern ist das Nutzen von W?rterbüchern zu Variationsf?llen nicht immer leicht, denn manche Variationen h?ngen nun einmal nicht von einem einzelnen Wort, sondern vom ganzen Satz ab wie bspw. Wir treffen uns am Montag, dem/den 29.5.17. Hier kann der Eintrag nicht unter Montag aufgeflistet sein, da der Schwankungsfall ja nichts mit dem Wort Montag zu tun hat, bei allen anderen Wochentagen schwankt dem/den genauso. Hier ist es also eine Herausforderung, die Nutzer_innen so durch das W?rterbuch zu leiten, dass sie unter dem richtigen Stichwort (in diesem Fall übrigens Apposition) suchen.

Zum Weiterlesen/Nachgucken:

Duden (2016): Das W?rterbuch der Zweifeslf?lle. Gutes und Richtiges Deutsch. Band 9. Berlin: Dudenverlag.

Hennig, Mathilde/Lotzow, Stephanie (2016): ?ber welche grammatischen Konzepte verfügen wir? Ein empirischer Beitrag zu Grammatikbenutzungsforschung und Transferwissenschaft. In: Deutsche Sprache 44, 1-22.

2 Kommentare zu „Umfrage zu W?rterbuchnutzung

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