Namen

Namenwahl zur Osterzeit (mit Linus, Lennox und Mathilda)

Die Wahl von Vornamen ist (wie die meisten anderen Dinge auch) gewissen Trends unterworfen. Es gibt zwar Namen wie Paul oder Anna, die eigentlich in jeder Generation vorkommen. Aber normalerweise kann man am Vornamen einer Person ziemlich gut ihr Alter absch?tzen.

Gerd ist schon (oder bald) auf Rente, Daniel ist ungef?hr Mitte 30 und Cheyenne kommt so langsam in die Pubert?t. Man hat für solche Dinge ein Gespür, weil es sich jeweils um Namen handelt, die zu verschiedenen Zeiten sehr modern für Neugeborene waren. Auf der Internetseite beliebte-vornamen.de kann man die Hitlisten für jedes Jahr seit 1890 nachschlagen.

Wer eine Tageszeitung abonniert hat, kann regelm??ig in Geburtsanzeigen die neuesten Trends verfolgen. Wer in einem Kindergarten oder in der Schule arbeitet, kann diese Trends (um einige Jahre zeitversetzt) auch mitverfolgen. Im Alter zwischen Mitte 20 und Mitte 30 kennt man m?glicherweise einige P?rchen, die auf der Suche nach dem perfekten Namen für ihr Kind sind und wer ein kleines Kind hat, kennt natürlich entsprechend auch die Namen vieler Kinder im gleichen Alter. Nicht zuletzt haben Standesbeamt_innen h?ufig mit st?ndig wechselnden Vornamen zu tun. Sie lassen sich tagt?glich auf den neuesten Stand in Sachen Namensmoden bringen.

Es gibt aber noch ganz andere Leute, die sich h?ufig mit wechselnden Vornamen besch?ftigen. Ich zum Beispiel. In der Zeit vor Ostern haben mein Vater und ich einen Stand auf verschiedenen Osterm?rkten, an dem wir bemalte Eier mit Bildern und Namen gravieren. Dabei kommen uns allerhand Namen unter und neben allerlei Schreibvarianten für Namen bekommen auch wir wechselnden Namenmoden mit.

Ei_Hahn_Skateboard
Beispielbild Eiergravur: Ein Hahn auf einem Skateboard. Hatten wir vorher auch noch nicht, ist aber nicht das Merkwürdigste, was wir je auf ein Ei graviert h?tten.

In den letzten Jahren gab es zum Beispiel viele skandinavische Vornamen, die uns vorher nicht aufgefallen sind: Bjarneoder Mika zum Beispiel. Noch vor fünf bis zehn Jahren hatten wir viel h?ufiger mit Namen aus dem franz?sischen Raum zu tun, zum Beispiel Jacquelineoder Chantal.

Neben Emma und Finn und Luis, die in den letzten Jahren h?ufig an der Spitze der beliebten Vornamen gestanden haben, sind mir in diesem Jahr noch ein paar Namen im Ged?chtnis geblieben, die mir vorher noch nicht so oft untergekommen sind. Dazu geh?ren für Jungen Linusund Lennoxund für M?dchen Mathilda. Die Namenstr?ger_innen sch?tze ich, soweit ich sie denn gesehen habe, auf ca. fünf bis acht Jahre, was gut mit den Beliebtheitsangaben im Internet übereinstimmt. Lennox h?lt sich seit 2007 in den Top 100, Linus ist seit Beginn der 2000er in den Top 50. Mathilda ist seit 2004 stark im Aufwind. An diesen Namen kann man zwei verschiedene Trends erkennen, die es derzeit für Babynamen in Deutschland gibt.

Mathilda geh?rt zu einer Reihe von Vornamen, die als traditionell deutsch empfunden werden, die gerade wieder ein Comeback haben. Dazu geh?ren bei den M?dchen zu Beispiel auch Johanna, Greta?und Frida, sowie Emilund Oskarbei den Jungennamen.

Linus und Lennox geh?ren zu einer anderen Vornamenmode. Wenn man sich die verschiedenen Vornamen anguckt, die im Laufe der letzten hundert Jahre beliebt waren, stellt man unter anderem fest, dass die Namen heute nicht mehr so klingen wie in den 1950er Jahren. Jungennamen wie Karl-Heinz, Güntherund Kurt, die damals vollkommen normal waren, h?ren sich ganz anders an als Ben, Jonasund Leon, die heute modern sind (Top 3 der Vornamen für Jungen 2015).

In dem Teil der Linguistik, der sich mit Namen besch?ftigt, spricht man hier von der Androgynisierung der Vornamen. Das hei?t, dass sich die Namen für Jungen und M?dchen immer ?hnlicher werden und man nicht mehr immer intuitiv vom Namen eines Kindes auf dessen Geschlecht schlie?en kann. Vor allem Namen für Jungen enthalten heute viel h?ufiger weiche Laute wie [n], [m] oder [l]. Früher hatten Jungennamen auch viel h?ufiger ein [o] und [u], w?hrend heute immer mehr Namen [e] oder [i] beinhalten. Diese Laute kamen früher haupts?chlich in Namen für M?dchen vor.

Deshalb ist es auch kein Zufall, dass Emil zurzeit ein so beliebter Name ist (2016 Platz 16): Er hat all diese weichen Laute und ?weiblichen“ Vokale und ist zus?tzlich noch ein Name, den es schon sehr lange in Deutschland gibt. Horstist zwar auch ein alter deutscher Name, aber er klingt eben nicht so kindgerecht und niedlich wie Emil oder Noah– deshalb werden wir ihn wohl auf absehbare Zeit nicht unter den Top-Pl?tzen der Babynamen sehen.

Zum Weiterlesen:

www.beliebte-vornamen.de

Artikel auf Brigitte.de: Alte deutsche Namen, die wieder im Trend sind.?21.10.2009. Gesehen am 28.03.2017.

Artikel auf Brigitte.de: Hallo, Baby! Diese Namen werden laut Forschern in 2017 Trend. 21.10.2009. Gesehen am 28.03.2017.

http://www.namenforschung.net

Wattenberg, Laura (2009): Death by androgyny? The old name rules meet the new generation. Blogpost auf www.babynamewizard.com. 21.10.2009. Gesehen am 28.03.2017.

Nübling, Damaris (2012): Was haben Namen mit Geschlecht zu tun? Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Wissenschaft ist ein Beruf für Frauen“. Universit?t Passau, Sommersemester 2012. 21.10.2009. Gesehen am 28.03.2017. [pdf]

Nübling, Damaris (2010) Von Monika zu Mia, von Norbert zu Noah: Zur Androgynisierung der Rufnamen seit 1945 aus prosodisch-phonologischer Perspektive. In: Beitr?ge zur Namenforschung 44, 2009, S. 67-110. 21.10.2009. Gesehen am 28.03.2017. [pdf]

3 Kommentare zu „Namenwahl zur Osterzeit (mit Linus, Lennox und Mathilda)

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