Wortgeschichte

Dollar, Mark und Pfund: Woher kommen die Bezeichnungen für unser Geld?

Wir wagen uns heute mal in einen Bereich vor, in dem wir uns eigentlich nicht so gut auskennen: die Finanzwelt. Aber keine Angst, es geht nicht um Aktienkurse oder Wertanlagen, sondern wir schauen uns heute an, woher die Bezeichungen für W?hrungseinheiten wie Taler, Mark und Pfund kommen.

Auf die Idee für den heutigen Zwiebelpost hat mich ein Buch gebracht, das ich gerade lese. In ?Shady Characters“ von Keith Houston geht es um die Geschichte hinter verschiedenen Interpunktions- und anderen Zeichen. Besonders interessant fand ich den Abschnitt über die Herkunft des Rautenzeichens #, insbesondere die Verwendung als Abkürzung für Pfund. Es ist n?mlich gar nicht so, dass eines Tages jemand dieses kleine Gitter mit Absicht gezeichnet hat. Dahinter steckt viel mehr. Um zu verstehen, was das mit heutigen W?hrungseinheiten zu tun hat, müssen wir in die Antike zurückspringen und auch einen kurzen Blick auf Gewichtseinheiten werfen.

Die Einheit, mit der alles begann

Fangen wir bei den Gewichtseinheiten an und arbeiten uns langsam zu den W?hrungen vor: Im alten Rom wurden Gewichtsangaben in libra pondo gemacht. Libra ist das lateinische Wort für ’Waage‘ und pondo l?sst sich entweder auf das Verb pendere ‘wiegen‘ oder das Substantiv pondus ’Gewicht‘ zurückführen. Und diese r?mische Einheit ist die Wurzel für viele Gewichts- und W?hrungseinheiten, die in ganz Europa verbreitet sind. Im 14. Jahrhundert etablierte sich zum Beispiel in England die Abkürzung lb (von libra) für die Gewichtseinheit Pfund. Oder genauer gesagt: ? (An den Strichen kann man erkennen, dass es sich um eine Abkürzung handelt, die man aufl?sen muss). Auch heute noch kürzen die Briten ihre Gewichtseinheit Pound mit <lb.> ab.1

Aus einem Gewicht wird eine W?hrung

Auch die englische W?hrungseinheit Pfund hat ihren Namen und ihre Abkürzung ? von libra pondo erhalten. ? ist, genau wie ?, eine Abkürzung von libra, was man wieder an dem kleinen Strich durch das Schreibschrift-L erkennen kann. Um zu verstehen, warum für Gewicht und W?hrung dassselbe Wort verwendet wird, müssen wir noch einen Sprung machen, diesmal an das Ende des 8. Jahrhunderts an den Hof von Karl dem Gro?en. Der hat ein einheitliches Münzsystem für sein Reich festgelegt, das sog. Karolingische Münzsystem. Als Grundw?hrungseinheit wurde das Pfund festlegt. Aus einem karolingischen Pfund Silber (entspricht ca. 400 g) wurden 240 kleinere Münzen geschlagen. Diese wurden nach dem Vorbild der antiken r?mischen Münze Denarius Denier genannt. Dazwischen gab es noch eine weitere Münze, die ebenfalls nach r?mischem Vorbild benannt wurde, den Solidus. 12 Deniers ergaben einen Solidus und 20 Solidi ergaben ein Pfund. Dieses System klingt aus heutiger Sicht kompliziert, aber es war jahrhundertelang in ganz Europa sehr einflussreich. Das Pfund ist also eigentlich nur die Gewichtseinheit für die Münzen gewesen. Erst im Laufe der Zeit hat man sich angew?hnt, das Wort auch für den Wert der Münze zu gebrauchen.

Erben des karolingischen Münzsystems

Kein Wunder also, dass sich viele weitere Bezeichnungen für W?hrungseinheiten davon ableiten. Wie wir schon am Beispiel des Englischen Pfund gesehen haben, ist die Verbindung zwischen libra und pondo relativ locker gewesen – man konnte auch nur ein Wort nutzen, um sich auf libra pondo zu beziehen. Was die Deutschen also Pfund und die Briten Pound nannten, war gleichzeitig das Vorbild für franz?sische Livre und italienische Lira.

Aus dem Wort Solidus für die mittlere Münze wurden die franz?sischen Sous bzw. Sol. Im Deutschen wurde diese Münze Schilling genannt, im Englisch Shilling. Es ist aber nicht abschlie?end gekl?rt, ob diese beiden Bezeichnungen tats?chlich auf das Wort Solidus zurückgehen. Auch die kleinste Münze des karolingischen System setzte sich auf sprachlicher Ebene durch: Der Denarius ist Namensgeber des portugiesischen Dinheiro, franz?sischen Denier und der in Südosteuropa und der islamischen Welt verbreiteten Bezeichnung Dinar für verschiedene Münzen. Davon leitet sich auch das spanische Wort dinero ab, das Geld im Allgemeinen bezeichnet. Für Pfennig und Penny ist genau wie bei Schilling und Shilling nicht gekl?rt, ob die W?rter direkt auf das Wort Denarius zurückgehen oder nicht. Sie wurden aber schon früh als Bezeichnungen für die Münze verwendet. Und jetzt wollen wir noch einen Blick auf die Wortherkunft von anderen in Europa verbreiteten W?hrungen werfen.

Mark

Ab dem 11. Jahrhundert begann die Mark in deutschen Landen das Pfund als Ma? für Silber und damit auch als W?hrungseinheit zu verdr?ngen. Ihre Wortherkunft ist leider nicht eindeutig gekl?rt. Es gibt verschiedene Erkl?rungsans?tze: Ein Vorschlag aus dem etymologischen W?rterbuch von Pfeifer ist, dass die Verwendung von Mark als Gewicht- und W?hrungseinheit auf Mark als Grenzgebiet und damit auf das althochdeutsche marka ‘Grenze, Ende, Grenzland, Zeichen’ (8./9. Jh.) zurückgeht. Die Bedeutung ’Zeichen‘ soll auf die an Silber- und Golbarren angebrachten Pr?gungen übertragen worden sein. Darauf aufbauend wurde der Barren selbst Mark genannt und diese Bezeichnungen dann auf sein Gewicht und schlie?lich auf eine Münze mit einem bestimmten Gewicht übertragen. Das etymologische W?rterbuch von Kluge geht im Gegensatz dazu davon aus, dass Mark auf das germanische Wort marka zurückgeht, das als allgemeine Bezeichnung für Gewichts- und W?hrungseinheiten galt. Laut Kluge hat es sich im Laufe der Zeit dann zu der Bezeichnung für eine bestimmte W?hrung gewandelt. Welche der beiden Theorien stimmt oder ob noch etwas ganz anderes dahintersteckt, wei? man aber nicht.

Taler und Dollar

Die Wortherkunft von Taler l?sst sich dagegen deutlich besser zurückverfolgen und sie hat ausnahmsweise überhaupt nichts mit Gewichten zu tun. Taler ist seit dem frühen 16. Jahrhundert als Bezeichnung für verschiedene Münzen im Umlauf. Es handelt sich bei dem Wort um eine Abkürzung von Joachimsthaler. Das war eine Silbermünze, die im b?hmischen Joachimsthal gepr?gt wurde. Die Bezeichnungen für diese spezielle Münze wurde schon bald zu einem eher generischen Wort für viele verschiedene Münzen. Der b?hmische Taler wurde über das niederdeutsche Daler schlie?lich auch zum amerikanischen Dollar.

Gulden

Gulden waren nicht nur im Mittelalter weit verbreitet, sondern auch die W?hrungseinheit der Niederlande hie? bis vor Kurzem so. Das Wort geht zurück auf das mittelhochdeutsche guldīn, was ’golden‘ bedeutete. Im Gegensatz zu den karolingischen Münzen wurden Gulden aus Gold gemacht und bei Bezeichnungen wie guldīn pfenninc (eigentlich ’goldener Pfennig‘) wurden im Laufe der Zeit einfach einfach das Nomen weggekürzt. Gulden bedeutet also wortw?rtlich ’der Goldene‘.

Schweizer Franken und Francs

In der Schweiz sind seit 1850 Franken als W?hrung im Umlauf. Diese haben aber nichts mit den Franken aus Süddeutschland zu tun. Franken sind, genau wie die franz?sischen Francs, benannt nach der mittellateinischen Pr?gung Francorum rex ‘K?nig der Franzosen’, die die 1360 erstmals unter K?nig Johann II. gepr?gten Münzen schmücken.

Euro und Cent

An der Herkunft unserer heutigen W?hrung Euro ist nicht viel ?berraschendes: Es handelt sich schlicht um eine Abkürzung von Europa, die auch vor der W?hrungsreform schon Teil von W?rtern wie Eurocard und Eurocheque. Die Bezeichnung Cent wurde nach dem Vorbild der franz?sischen Centime und des amerikanischen Cents ausgew?hlt. Sie alle gehen zurück auf lateinisch centēsimus ’Hundertstel‘, schlie?lich ergeben 100 Cents einen Euro. Die Kürzung ist wohl unter dem Einfluss des englischen per cent für ‘Prozent‘ geschehen.

Es ist also alles gar nicht so einfach mit der Wortgeschichte von W?hrungseinheiten. Auch wenn sich viele von ihnen auf Einheiten für Gewichte zurückführen lassen, haben doch auch viele einen ganz eigenen Weg genommen.

1Und aus dieser Abkürzung hat sich schlie?lich auch # entwickelt: Kaufleute haben die Abkürzung ? so h?ufig geschrieben, dass sie sich im Laufe der Zeit zu # entwickelt hat: zwei Striche nach unten für l und b, zwei quer für den Bogen des b und den Abkürzungsstrich. Wenn man das Zeichen jeden Tag zigmal schreibt und dabei den Stift nicht absetzt, kommt dabei ganz automatisch ein # zustande. Als Zeichen für die Einheit Pfund ist # auf unsere Tastaturen gelangt und von dort aus ein bisschen willkürlich zum heute verbreiteten Hashtag erhoben worden.

Zum Weiterlesen:

Keith Houston (2013): Shady Characters. The Secret Life of Punctuation, Symbols & Other Typographical Marks. New York, London: W.W. Norton & Company.

Keith Houston: Shady Characters Blog. https://shadycharacters.co.uk/ (gesehen am 30.01.2021).

Wikipedia-Artikel ?Karolingisches Münzsystem“. https://de.wikipedia.org/wiki/Karolingisches_M%C3%BCnzsystem (gesehen am 30.01.2021).

Wikipedia-Artikel ?Mark (Gewicht)“, Abschnitt ?Wortherkunft“. https://de.wikipedia.org/wiki/Mark_(Gewicht)#Wortherkunft (gesehen am 30.01.2021).

?Mark“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches W?rterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen W?rterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Mark>, abgerufen am 30.01.2021.

?Dollar“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches W?rterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen W?rterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Dollar>, abgerufen am 30.01.2021.

?Euro“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches W?rterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen W?rterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Euro>, abgerufen am 30.01.2021.

?Gulden“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches W?rterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen W?rterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Gulden>, abgerufen am 30.01.2021.

?Franken“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches W?rterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen W?rterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/Franken>, abgerufen am 31.01.2021.

?Euro: Wer hat den Namen erfunden?“ (28.07.2017). YouTube, Kanal ?interpressmedia“. https://youtu.be/rgxLqW_kmK4 (gesehen am 30.01.2021).

Kluge. Etymologisches W?rterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 25., durchgesehene und erweitere Auflage. Berlin/Boston 2011.

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