W?rter machen Sachen · Wortgeschichte

Die überraschend interessante Geschichte von Eimer und Zuber

Ich war gerade dabei, einer Kollegin einen linguistischen Geburtstagsgru? zu schreiben, als ich über diese sch?ne Wortgeschichte gestolpert bin. Wer h?tte gedacht, dass die W?rter Eimer und Zuber miteinander verwandt sind und dass sich in den W?rtern tats?chlich Gebrauchsanweisungen verstecken?

Eimer wurde zu althochdeutscher Zeit aus dem Lateinischen entlehnt, und zwar von lat. ampora/amphora (‘Tongef?? mit zwei Henkeln‘). Auf Althochdeutsch lautete das Wort dann ambar. In sp?talthochdeutscher Zeit hatte sich daraus das Wort eimbar gebildet, um Krüge, T?pfe und Eimer zu bezeichnen. Auch eine Nebenform einber ist schon für das Althochdeutsche belegt. Wie kommt man von ambar zu einber? Es ist nun einmal so, dass Menschen versuchen, einen Sinn in der Sprache zu finden. Und wo sie keinen finden k?nnen, da bauen sie ihn sich einfach selbst. Was zun?chst ganz sch?n kryptisch klingt, ist eigentlich ganz einfach: einber wurde für allerlei Gef??e mit einem Henkel verwendet. Diese Gef??e hat man normalerweise mit einer Hand getragen. Das althochdeutsche Wort für die Zahl 1 war ein?und es gab ein Wort beran, das ’tragen‘ bedeutete. Man hat das ursprüngliche Wort ambar also so umgedeutet, dass es aus den Worten ein (’eins‘) und beran (’tragen‘) bestand. Ein Gef?? also, dass man mit einer Hand tr?gt. Logisch, oder? Einen solcher Vorgang, bei dem ein Wort so angepasst wird, dass sein Aussehen (scheinbar) mehr Sinn ergibt, nennt man Volksetymologie.

Die Form einber hat sich denn im Mittelhochdeutschen auch gegen die anderen durchgesetzt, die „weniger Sinn ergeben“ und aus denen man die Bedeutung nicht so gut „herauslesen“ konnte. Sp?ter bildet sich dann durch Anpassung von [n] und [b] die Form eimmer heraus, die schon sehr nach unserem heutigen Eimer aussieht.

Und wie passt Zuber dazu? Wenn ich mir einen Zuber vorstelle, dann ist das immer ein W?schezuber, also eine gro?e, ovale Wanne, mit kleinen Henkeln an den schmalen Enden. Einen Zuber kann man unm?glich mit nur einer Hand tragen (wenn man will, dass nichts herausf?llt), man braucht dafür zwei H?nde. Das althochdeutsche Wort für Zuber war zubar oder auch zwibar. Hier erkennen wir bar wieder als ’tragen‘ und – man kann es sich jetzt schon fast denken – zu?und zwi stehen für zwei. Im Mittelhochdeutschen hei?t das Wort dann schon zuber?oder manchmal auch zober, zwuber?oder zober. Genau wie bei der Entwicklung von althochdeutsch ambar zu neuhochdeutsch Eimer ist das [a] hier zu [e] geworden.?Das ist kein Zufall: Die mittelhochdeutschen W?rter einber und zuber?sehen sich wirklich sehr ?hnlich. Das liegt daran, dass sich zuber auf der Grundlage von einber?entwickelt hat, damit man Gef??e voneinander unterscheiden kann, die man mit einer oder mit zwei H?nden tragen muss.

Heute kann man davon nicht mehr viel erkennen, auch wenn sich an Zuber seit dem Mittelhochdeutschen eigentlich nichts getan hat. Aber die Bestandteile haben sich in ihrem Gebrauch au?erhalb des Wortes weiterentwickelt: zu wurde zur zwei und das Verb beran k?nnen wir heute nur noch in zusammengesetzten W?rtern wie geb?ren und entbehren erahnen. Und auch das Wort Eimer verr?t uns in seiner heutigen Form leider nicht mehr allzu viel darüber, wie der von ihm bezeichnete Gegenstand verwendet wird, aller Bemühungen der Althochdeutschsprechenden zum Trotz. Ein Glück für uns, dass die Benutzung von Eimern und Zubern auch ohne eingebaute Gebrauchsanweisung relativ intuitiv ist.

 

Zum Weiterlesen:

http://www.rechtschreibwerkstatt.de/GrafOrtho/AF-uM/html/entbehren.html

https://www.dwds.de/wb/Zuber#et-1

https://www.dwds.de/wb/Eimer#et-1

Der Artikel zu „Assimilation“, d.h. Ann?herung mehrerer Laute bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Phonologie)

Der (leider nicht besonders gute) Artikel zu „Volksetymologie“ bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Volksetymologie

 

 

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