Namen

Bello und Nala, Leo und Emma – Was hinter Hundenamen steckt

Würden wir 100 Menschen fragen, was ein typischer Name für einen Hund ist, dann würden wir wahrscheinlich Antworten bekommen wie Bello, Fiffi oder Rex. Wenn wir uns aber einmal anschauen, wie die Deutschen ihre Hunde im Jahr 2022 tats?chlich genannt haben, dann finden wir dort ganz andere Namen. Was die aktuellen Trends für Hundenamen sind und wie und warum sie sich von den ?klassischen“ Hundenamen so unterscheiden, das wollen wir uns heute genauer anschauen.

In Deutschland sind wir sehr frei, was die Vergabe von Namen an Haustiere angeht. Sie ist vollkommen unreglementiert und wir k?nnen unserer Fantasie damit freien Lauf lassen. Trotzdem gibt es sehr deutliche Vorlieben und Trends, was Haustiernamen angeht. Jetzt gerade sind zum Beispiel Nala und Luna, Balu und Milo sehr beliebte Hundenamen, aber vor 100 Jahren waren eher die eingangs genannten Bello und Fiffi im Trend.

Welche Hundenamen zu welcher Zeit beliebt sind, h?ngt unter anderem damit zusammen, welchen Stellenwert Hunde ganz allgemein in unserer Gesellschaft haben. Deshalb machen wir dazu jetzt erst einmal einen ganz kurzen Abriss, bevor wir uns anschauen, welche Namen warum aktuell modern sind.

Traditionell sind Hunde eigentlich Nutztiere gewesen, die je nach Rasse ganz unterschiedliche Aufgaben übernommen haben. So wurden bestimmte Hunderasse gezüchtet, um H?fe zu bewachen, Schafsherden zu hüten oder besonders gute Begleiter bei der Jagd zu sein. Heute gehen die wenigsten Haushunde noch einem solchen Beruf nach. Die meisten von ihnen dürfen einfach Haustiere sein. Sie werden mittlerweile auch in der Regel nicht mehr als Nutztiere angesehen, sondern viele Haustiere sind so etwas wie Familienmitglieder geworden. Und das zeigt sich nicht nur daran, dass sie jetzt nicht mehr drau?en in der Hundehütte schlafen müssen, sondern auch an den Namen, die sie tragen.

Es war lange Zeit zum Beispiel üblich, dass eine Familie sich auf einen Hundenamen festgelegt hat. Wenn Bello dann gestorben ist und ein neuer Hund angeschafft wurde, dann hie? der auch wieder Bello. Das kann man sich heute eigentlich kaum noch vorstellen – Hunde sind doch individuelle Lebewesen, die auch einen eigenen Namen verdienen! Diese Vorstellung ist allerdings relativ neumodisch, sie ist erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts aufgekommen.

Vom Nutztier zum Haustier – von Bello zu Paul

Zu Hundenamen gibt es tats?chlich recht wenig Forschung in Deutschland. Aber die Ergebnisse, die bisher vorliegen, zeigen eindeutig: Hundenamen werden individueller – und menschlicher. Eva Schaab hat 2011 in einer Onlineumfrage 1.000 Hundenamen gesammelt und ausgewertet. Sie hat unter anderem festgestellt, dass fast drei Viertel aller Hundenamen auf einen Eigennamen zurückgehen (darunter fasst sie menschliche Vor- und Nachnamen, Ortsnamen, Markennamen, Namen von fiktiven Figuren und Namen für G?tter bzw. Helden der klassischen Antike) und dass über die H?lfte der Hunde in ihrem Sample einen Menschennamen tragen. Darunter sind Vornamen wie Paul oder Gina, aber auch Nachnamen wie Hitchcock. 68 Hunde wurden nach fiktionalen Figuren wie Frodo und Asterix benannt.

Auch andere Nomen sind beliebte Namengeber für Hunde. Darunter haben Personenbezeichnungen wie Lady und Kaiser den gr??ten Anteil. Auch W?rter für Gegenst?nde wie Socke und Cookie werden gern genommen. 27 der Hundenamen gehen auf Adjektive zurück wie Sunny und Lucky. Ungef?hr jeder zehnte Hund tr?gt einen Fantasienamen, den Schaab nicht in ihre Kategorien einordnen konnte.

Vergleichsdaten aus dem Jahr 1900 zeigen, dass damals nur 20–30 % aller Hunde einen Namen hatten, der auf einen Eigennamen aus der eben genannten Gruppe zurückgeht. Nur 14 % basieren auf menschlichen Vor- oder Nachnamen. Viel h?ufiger waren im Vergleich zu heute dafür Bennungen nach Nomen. Beispiele dafür sind Perle, Glück und Amour, aber auch Rachgier, Kapit?n und Ritter. Mit Fuchs und Otter sind ein paar andere Tierbezeichnungen dabei. Insgesamt sind diese alten Hundenamen gleichzeitig auch Beschreibungen der Tiere. Sie enthalten zum Beispiel Hinweise auf das Temperament (Treu, Lustig) oder das Aussehen (Blonde, Fuchs) der Hunde. Das gibt es in den heutigen Daten nur noch selten, vor allem bei Adjektiven wie Sunny. Die Tiere bekommen eher, so wie Menschen, einen Namen, mit dem man sie identifizieren kann, aber sie sagen kaum noch etwas über ihre Eigenschaften aus. Hundenamen werden also im Laufe der Zeit menschlicher und sind heutzutage oftmals wirklich Menschennamen.

Eine weitere Entwicklung, die durch Vermenschlichung der Hundenamen passiert, ist, dass Geschlechterunterschiede deutlicher markiert werden. Wenn man Menschennamen verwendet, dann bekommen Rüden natürlich M?nnernamen und Hündinnen Frauennamen. Auch bei Namen aus anderen Quellen kann man deutliche Verteilungen erkennen: Namen für Hündinnen enden auf –a (Tequila), Namen für Rüden enden auf –o oder Konsonant (Barolo, Calvados). Namen, die mit –i oder –y enden (Sydney, Lucky, Inari), sind allerdings für alle Geschlechter beliebt. Klassische Hundenamen wie Fiffi und Fuchs waren hingegen nicht an ein bestimmtes Geschlecht gebunden, sondern wurden geschlechtsübergreifend vergeben. Die Hundenamen sind also nicht nur individueller und menschlicher, sondern auch geschlechtsspezifischer geworden.

Hundenamen in den letzten 10 Jahren

Der Verein TASSO e.V. sammelt schon seit Jahren Namen von Hunden und Katzen in Deutschland. Auf dessen Homepage kann man sehr sch?n sehen, wie sie sich in den letzten 10 Jahren ver?ndert haben. Wir schauen jetzt einmal die Top-10-Namen für Hündinnen und Rüden an und kl?ren, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten wir dabei finden k?nnen.

Beginnen wir mit den Namen für Hündinnen im Vergleich von 2012 zum letzten Jahr:

RangHündinnen 2022Hündinnen 2012
1LunaLuna
2NalaEmma
3BellaBella
4Maja/MayaAmy
5Frieda/FridaKira
6EmmaLilly
7Lilly/LilliPaula
8AmyLucy
9LucyLotte
10KiraMaja
Die beliebtesten Namen für Hündinnen 2022 und 2012 nach TASSO e.V.

An den Namen auf der Liste für die Hündinnen hat sich insgesamt kaum etwas getan. Nala und Frieda/Frida sind neu dabei und Lotte und Paula sind nun nicht mehr so beliebt. Davon abgesehen gibt es nur wenig Ver?nderung. Es gibt mit Nala einen fiktiven Namen auf der Liste. Es müsste mir aber bitte nochmal jemand erkl?ren, warum man einem Hund den Namen einer L?win aus K?nig der L?wen gibt. Fun Fact dazu: Auch bei den Katzen steht Nala auf Platz 2 der Namen von 2022. Das ergibt für mich deutlich mehr Sinn. Bei allen anderen handelt es sich um Menschennamen.

Nun blicken wir einmal auf die Rüdennamen.

RangRüden 2022Rüden 2012
1Balu/BalouSammy
2Milo/Mailo/MilowSam
3Charly/CharlieBalu
4BuddyPaul
5BrunoRocky
6RockyMax
7LeoCharly
8LokiBruno
9LuckyLucky
10SammyBen
Die beliebtesten Namen für Rüden 2022 und 2012 nach TASSO e.V.

Hier gibt es tats?chlich ein bisschen mehr Abwechslung als bei den Hündinnen. Mit Balu/Balou gibt es wieder eine Disneyfigur (diesmal aus dem Dschungelbuch) als Namengeber und wieder handelt es sich bei dem Namensvorbild nicht um einen Hund (sondern um einen B?ren). Ob die Beliebtheit von Loki auf den nordischen Gott oder die darauf basierende Figur aus den Marvel-Comics und -Filmen zurückgeht, kann man nicht sagen. Es sind auch wieder ein paar Menschennamen dabei, aber deutlich weniger als bei den Hündinnen: Charly/Charley, Bruno und Leo. Im Gegensatz zu den Hündinnen sind 2022 bei den Rüden dafür mehr Namen dabei, die ich als typische Hundenamen kategorisieren würde, darunter Buddy, Sammy und Lucky. Anders als bei Hündinnen hat sich hier seit 2012 auch einiges getan: 2012 gab es mit Sam, Paul, Max und Ben im Jahr 2012 sogar noch ein paar mehr Menschennamen als 2022. Es ist auff?llig, dass es gerade die einsilbigen Menschennamen sind, die hier von der Top-Liste wieder verschwunden sind. Aber ein Zufall ist es nicht, denn die Silbenanzahl ist für Namen aller Art ein wichtiger Faktor.

Welche Menschennamen sind gute Hundenamen?

Alle 20 Top-Namen von 2022 sind zweisilbig. Die einzigen einsilbigen Namen von 2012 sind die M?nnernamen bei den Rüden. Zweisilbige Namen scheinen sich insgesamt einfach sehr gut für Hunde zu eignen. Man kann sie zum Beispiel sehr viel besser rufen als einsilbige W?rter. Wenn man ein einsilbiges Wort laut ruft, dann muss man es dehnen und dabei ver?ndert es sich ein bisschen. Das k?nnt ihr gerne einmal selber probieren, indem ihr erst Sammy und dann Sam laut ruft, so als wolltet ihr einen Hund zu euch rufen. Eine Studentin von mir hat mal für eine Hausarbeit in einem Experiment untersucht, dass Menschen zweisilbige Hundenamen insgesamt Namen mit anderer Silbenanzahl vorziehen. Das mit dem Rufen gilt übrigens auch nicht nur für Tiere. Mein Bruder hat einen einsilbigen Namen und meine Mutter meinte mal, dass sie sich im Nachhein ein bisschen ge?rgert hat, dass sie für ihn nicht auch einen zweisilbigen Namen ausgesucht hat, eben weil man den besser rufen k?nne.

Dass es 2012 aber ausgerechnet Sam, Max, Ben und Paul waren, die dieses Muster durchbrochen haben, ist auch kein Zufall. Werfen wir doch einmal einen Blick auf die Statistik der beliebten Vornamen von 2012. Ben war damals auf Platz 1, Paul auf Platz 3, Max stand auf Platz 14 (Maximilian auf Platz 9). Die einsilbigen Hundenamen aus den Top 10 sind also auch einige der beliebtesten Namen für Jungen. Sam ist der einzige einsilbige Hundename, der nicht auch gleichzeitig ein sehr beliebter Vorname für neugeborene Jungen war. Sam dümpelt seit 2010 etwa um Platz 100 herum. Ich nehme an, dass Sam als Hundename eben durch die anderen einsilbigen Hunde-/Menschennamen wie Max und Paul an Fahrt aufgenommen hat und eine beliebte Variante von Sammy wurde (der Name war 2012 ja schlie?lich Platz 1).

Schauen wir mal, ob sich das Muster auch bei den Hundenamen nach menschlichem Vorbild aus 2022 best?tigt. Zuerst die beliebten Rüdennamen aus unserer Tabelle von oben: Leo steht laut beliebte-vornamen.de auf Platz 13, Milo auf Platz 38, Bruno auf Platz 80 und Charlie auf 133 (weder Charly noch Charley sind in den Top 500). Das passt eigentlich schon ziemlich gut.

Und jetzt die Hündinnen: Emma stand 2022 auf Platz 4 der am h?ufigsten vergebenen M?dchennamen, Lilli/Lilly auf Platz 17, Frieda/Frida auf Platz 21, Maya/Maja auf Platz 22, Luna auf Platz 35, Lucy auf Platz 103, Kira auf Platz 135, Amy auf Platz 147 und Bella auf Platz 200. Mit Isabella steht aber eine m?gliche Vollform des Namens immerhin auf Platz 48. Es sind hier also ein paar Namen dabei, die sowohl bei den Hündinnen als auch bei den M?dchen auf den Spitzenpositionen stehen, aber auch ein paar, die nicht ganz vorne mit dabei sind, aber trotzdem noch ziemlich beliebt sind.

Schon seit Jahren sind bei M?dchen vor allem zweisilbige Namen beliebt, die mit –a enden und l, m oder n beinhalten. Solche Namen k?nnen wir hier bei den Hundenamen auch wiederfinden, aber zus?tzlich noch solche, die mit –i/y enden. Diese Namen nehmen wir oft als vergleichsweise niedlich wahr und es handelt sich dabei in der Regel um Spitznamen von anderen Vornamen (zum Beispiel Leni von Magdalena). Davon gibt es in den menschlichen Top 20 immerhin vier Stück (Lilly, Leni, Leonie, Emily).

Menschennamen und Hundenamen

Sowohl bei den Hunden als auch bei den Hündinnen k?nnen wir also einen klaren Trend erkennen: Hunde bekommen Namen, die auch für Babys beliebt sind. Das passt also zu den Beobachtungen von oben, dass Hunde immer mehr als Familienmitglieder wahrgenommen werden und vielleicht sogar als Kindesersatz fungieren. Natürlich muss so ein Fur Baby dann auch einen Babynamen bekommen (Fur Baby ist eine englische Bezeichnung für Haustiere, wortw?rtlich übersetzt bedeutet der Ausdruck ‚Fellbaby‘ und ist zumindest auf Social Media ziemlich beliebt).

Dass Hunde nach Menschen benannt werden, ist natürlich nichts Neues. Auch in den Daten von 1900 kommen schon Hunde mit Menschennamen vor, zum Beispiel Edward, Hermine, Heinz und K?the. Aber es gibt heute eben deutlich mehr davon und es sind tendenziell die gleichen Namen, die auch viel an menschliche Babys vergeben werden. Das war zu anderen Zeiten nicht unbedingt so. Aus meiner pers?nlichen Erfahrung kann ich das anekdotisch auch best?tigen: Die Hunde, die ich in den 1990ern kannte, hatten zwar auch oft Menschennamen. Es handelte sich aber um eher seltene Namen, die ich als Kind teilweise auch gar nicht als solche erkannt habe (Celeste, Anka, Vassili, Titus, Buster). Ich wei? noch, wie seltsam ich es anfangs fand, dass mein Onkel den Nachfolger von Titus dann Klaus genannt hat (zugegebenerma?en auch 2000 kein besonders beliebter Jungenname, aber immerhin deutlich als solcher erkennbar). Heute kenne ich sehr wenige Menschen mit Hunden, aber ich finde es gar nicht mehr ungew?hnlich, wenn Hunde Menschennamen tragen. Es ist im Gegenteil eher auff?llig für mich, wenn ein Hund dann einen ganz anderen Namen wie R?uber oder so hat.

Hundenamen in den USA

Nicht nur in Deutschland gibt es gro?e ?berschneidungen bei Hunde- und Menschennamen. Die Washington Post hat das Ph?nomen einmal für amerikanische Hunde analysiert. Zum einen stellen sie fest, dass vor allem sehr aktuelle und sehr altmodische Menschennamen bei Hunden oft vorkommen. Hunde tragen zudem eher Spitznamen, w?hrend Menschen eher die Vollform des Namens tragen – wie bei Bella und Sammy in unseren Daten. Au?erdem ist es wie bei unseren Daten auch so, dass mehr M?dchennamen als Hundenamen herhalten als Jungsnamen. Und sie haben aus ihren Daten eine tolle Anwendung erstellt: Wenn man hier auf der Homepage der Washington Post den eigenen Vornamen eingibt, dann kann man berechnen lassen, ob der Namen typischer für Menschen oder Hunde ist. Ich trage anscheinend ganz klar einen Menschennamen: „In a stadium of 100,000 people and 100,000 dogs, 23 dogs and 268 people would be named Lisa“. Die Berechnungen der Washington Post beziehen sich natürlich nur auf Daten aus den USA, aber eine sch?ne Spielerei ist es trotzdem.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr eher einen Menschennamen oder doch einen typischen Hundenamen? Lasst es uns wissen! Und falls ihr einen Hund habt oder hattet, wie hei?t er und wie habt ihr euch für den Namen entschieden? Wir wollen es wissen!

Zum Weiterlesen:

Nübling, Damaris, Fabian Fahlbusch & Rita Heuser (?2015) Namen. Eine Einführung in die Onomastik. Tübingen: Narr.

Tasso.net: Die beliebsten Tiernamen. Liegen Sie mit dem Namen Ihres Hundes und Ihrer Katze im Trend? https://www.tasso.net/Service/Wissensportal/TASSO-Fakten/Die-beliebtesten-Tiernamen

Schaab, Eva (2012): Von ?Bello’ zu ?Paul’: Zum Wandel und zur Struktur von Hunderufnamen. Beitr?ge zur Namenforschung. Jahrgang 47 (2), 131-161.

Alyssa Fowers & Chris Alcantara (2022): The most popular people names for dogs. The Washington Post. https://www.washingtonpost.com/business/interactive/2022/people-names-for-dogs/

Die beliebtesten Vornamen des Jahrgangs 2012 bei beliebte-vornamen.de: https://www.beliebte-vornamen.de/jahrgang/j2012

2 Kommentare zu „Bello und Nala, Leo und Emma – Was hinter Hundenamen steckt

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