Wortgeschichte

Wortgeschichten: Piraten, Meerdiebe und Seer?uber

Vor einiger Zeit bin ich zuf?llig auf einen sch?nen Zusammenhang gesto?en, der mit Piraten zu tun hat. Oder genauer gesagt mit Seer?ubern.

Ich habe beim St?bern in einem Online-W?rterbuch des Althochdeutschen das hübsche Wort meridiop gefunden und als ich gesehen habe, dass es Seer?uber hei?t, habe ich mich mal wieder sehr über die deutsche Sprache gefreut. Warum?

Das Wort Seer?uber ist ein Kompositum und besteht aus zwei Teilen: See und R?uber. Ein Seer?uber ist also ein R?uber?der See, im Gegensatz zu einem gew?hnlichen R?uber an Land.

Das Wort meridiop ist ebenfalls ein Kompositum. Es besteht aus den beiden Teilen mer?(neuhochdeutsch Meer) und diop (neuhochdeutsch Dieb). Ein althochdeutscher Seer?uber war also ein Meerdieb, ein Dieb des Meeres. Fantastisch!

Im Althochdeutschen gibt es nur meridiop, Seer?uber kannte man damals noch nicht. Im Mittelhochdeutschen, also so etwa vom 11. bis 14. Jahrhundert, gibt es das Wort Meerdieb nicht mehr. Stattdessen sagt man merrouber, schifrouber oder sêrouber, also Meerr?uber, Schiffr?uber oder Seer?uber. Bis heute hat sich davon nur das letzte dieser W?rter gehalten, auch wenn Meerr?uber noch im W?rterbuch der Gebrüder Grimm verzeichnet ist. Auch das Wort Gali?t, das im Mittelalter sehr gebr?uchlich für Piraten war, hat nicht überlebt. Das Wort Pirat gibt es übrigens auch schon lange in Deutschland. Es kommt über das Italienische und Franz?sische aus dem Griechisch-Lateinischen und bedeutet so viel wie ?versuchen, auf die Probe stellen, erproben, Seer?uberei treiben“.

Im Laufe der Zeit ist also aus dem Meerdieb ein Seer?uber geworden. Ich finde das deshalb besonders spannend, weil See?und Meer Synonyme sind, also zwei W?rter, die das gleiche bezeichnen. Und Dieb und R?uber bedeuten auch fast das gleiche. Eigentlich sind Meerdieb und Seer?uber also nicht nur zwei W?rter für dasselbe, sondern sie bestehen auch aus Bausteinen, die beinahe genau das gleiche bedeuten.

Moment, warum ?fast“ und ?eigentlich“?

Zum einen finde ich (und habe die Einsch?tzung auch schon von anderen Leuten geh?rt), das Meerdieb ein bisschen so klingt, als würde jemand das Meer klauen und nicht auf dem Meer auf Beutezug gehen. Komische Vorstellung.

Und dann sagt uns unser Sprachgefühl noch, dass es einen kleinen, aber feinen Unterschied gibt zwischen einem Dieb und einem R?uber. Zum einen klingt R?uber nach einer ungewaschenen Bande, die arglosen Reisenden im Wald auflauert. Für sich alleine benutzen wir das Wort eigentlich nicht mehr so h?ufig. Am ehesten noch als Bankr?uber oder dergleichen. Und dann stellt man sich schon eher maskierte Menschen mit Pistolen und S?cken mit Dollar- bzw. Euro-Zeichen vor. Diebe hingegen arbeiten versteckt, normalerweise merkt das Opfer überhaupt nicht, dass es bestohlen wurde. R?uber handeln also unter Androhung von Gewalt, Diebe nicht. Hei?t das jetzt also, dass Piraten früher nicht so gewaltt?tig vorgegangen sind wie heute? Das kann diese kleine Wortgeschichte leider nicht erkl?ren, aber ich denke, wie k?nnen davon ausgehen, dass die Sitten unter Dieben und R?ubern auch damals nicht weniger rau waren, egal ob an Land oder auf See.

 

Zum Weiterlesen:

Eine Graphik über die H?ufigkeit von Seer?uber im Laufe der Zeit: https://www.dwds.de/r/plot?q=Seer%C3%A4uber

Eine Graphik über die H?ufigkeit von Pirat im Laufe der Zeit: https://www.dwds.de/r/plot?q=Pirat

 

Ein Kommentar zu „Wortgeschichten: Piraten, Meerdiebe und Seer?uber

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